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Die Verbraucherzentralen geben Tipps, worauf dabei zu achten ist

Erinnern Sie sich noch an den Film „Her“? Der Hauptdarsteller verliebt sich in das Operating System eines Computers, hinreißend gesprochen von Scarlett Johansson. Sie liebt ihn auch. Und noch zehntausende andere. Ganz so heftig ist es vielleicht bei Online-Partnervermittlungen nicht. Doch das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Bayern fand Anfang des Jahres heraus, dass 187 Dating-Portale fiktive Profile verwenden. Wer also im Chat mit einer wunderbaren Frau flirtet und sich Hoffnungen auf ein Treffen macht, sitzt in Wirklichkeit vielleicht einem nüchternen Mitarbeiter der Partnerschaftsbörse gegenüber, der sich hinter blumigen, schlagfertigen oder charmanten Worten verbirgt. Die bayerischen Verbraucherschützer haben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Nutzungsbedingungen der Portale durchleuchtet und stießen dabei auf Formulierungen wie: „Aus dem Umstand, dass zu einem Profil Kontaktdaten angegeben werden, kann nicht gefolgert werden, dass sich hinter dem Profil eine wirklich existierende Person verbirgt“ oder „Alle Äußerungen sowie alle von den fiktiven Profilen angegebenen persönlichen Daten sind Erfindungen der Moderatoren“. Immerhin 171 der 183 untersuchten Singlebörsen werben zwar mit echten, privaten Kontakten – setzen aber auf Fake-Profile, heißt es von der bayerischen Verbraucherzentrale.

Heiratsschwindler gibt es auch bei Zeitungsannoncen

Inzwischen findet jede und jeder dritte Flirtwillige bereits einen neuen Partner oder eine neue Partnerin mit Hilfe von Online Dating-Portalen. Rund 60 Prozent derjenigen, die eine neue Bindung suchen, schauen sich im Netz danach um. Männer suchen meist Frauen, die mindestens fünf Jahre jünger als sie selbst sind. Was aber ist angesichts von gefälschten Accounts und anderen Fallstricken von der Partnersuche im Internet zu halten? „Ich denke schon, dass es seriöse Anbieter gibt“, sagt Peter Lassek, Referent Verbraucherrecht und Verbraucherpolitik bei der Verbraucherzentrale Hessen. Auch bei Zeitungsannoncen oder Offline-Partnervermittlungen sei niemand davor gefeit, auf Heiratsschwindler zu treffen. Im Internet gelte aber zu beachten: „Das Digitale ist anonymer, in einem Chat fasst man, vielleicht noch angelockt von einem gefälschten Bild, schneller Vertrauen und gibt mehr von sich preis als während eines persönlichen Treffens.“ Mit entsprechender Vorsicht, die man auch sonst im Internet walten lassen sollte, „kann man aber Freude haben und die Online-Suche kann zum Erfolg führen“.

Tipps für das Online-Dating

Die Verbraucherzentrale Hessen hat Tipps für das Online-Dating zusammengestellt. Auch sie warnt vor in der Realität gar nicht existierenden Profilen. So können Frauen und Männer auf der Suche nach einer neuen Bindung gar nicht sicher sein, wie viele potenzielle Liebespartner sie auf einem der vielen Portale, die neues Liebesglück versprechen, wirklich finden können. Neben Fake-Profilen gibt es inaktive Nutzer und Love-Scammer, digitale Heiratsschwindler, die die Zahl der echten Suchenden deutlich reduzieren. Besonders ärgerlich für Kunden sind moderierte Dienste dann, wenn deren Mitarbeiter die Nutzer mit erfundenen Profilen dazu verleiten, möglichst viele kostenpflichtige Kontakte aufzurufen. Ziel ist es hier nach Einschätzung der Verbraucherzentrale, die Umsätze der Portalbetreiber zu erhöhen, während echte Kontakte kaum zu finden sind.

Sie warnt auch vor Problemen mit untergeschobenen Verträgen oder Abonnementsfallen. Bei einigen Anbietern werden aus Probeabos ohne weitere Information kostenpflichtige Premiumabos. Viele Portalbetreiber erschweren ihren Kunden darüber hinaus die Kündigung: „Verbraucher melden uns recht häufig, dass Kündigungen ignoriert oder unberechtigte Forderungen durch Inkassounternehmen eingetrieben werden“, sagt Peter Lassek. Zu hohe Ersatzforderungen beim Widerruf des Vertrags sind ein weiteres Problem, mit dem viele Nutzer von Dating-Portalen zu kämpfen haben.

So funktioniert eine Kontaktbörse

Der Anbieter stellt nur die Plattform zur Verfügung, Suchende können hier ihr Profil meist kostenlos einstellen. Zahlen müssen sie für eine Premium-Mitgliedschaft, um mit anderen Mitgliedern Kontakt aufnehmen zu können.

Worauf ist zu achten?

Nicht den vollen Namen und auch nicht die Rufnummer angeben, keine sensiblen Daten wie Kontodaten und Angaben zur Gesundheit preisgeben sowie für den Online-Flirt eine spezielle E-Mail-Adresse einrichten, die später wieder gelöscht werden kann. Die Verbraucherzentrale Hessen warnt vor Betreibern von Singlebösen und Erotikportalen, die sich vorbehalten, Daten von Nutzern weiterzugeben oder unter deren Namen Nachrichten zu schreiben.

So funktioniert eine Partnervermittlung

Im Netz selbst nach einer passenden Partnerin suchen – das brauchen Nutzer hier nicht. Sie füllen einen umfangreichen Fragebogen aus, erzählen von sich, ihren Ansichten und Wünschen. Die Partnervermittlung schickt ihnen dann per E-Mail Vorschläge für eine potenzielle neue Liebe.

Worauf ist zu achten?

Ein realistisches Bild von sich zeichnen, nicht idealisieren. Werden längere Zeit immer neue Partner vermittelt, kann es teuer werden.

So funktionieren Vergleichsportale für Flirt- und Singlebörsen

Vergleichsportale unterstützen Suchende dabei, eine geeignete Singlebörse direkt anzusteuern

Worauf ist zu achten?

Rankingdienste werben mit den „besten Singlebörsen“ oder Partnervermittlungen. Aber auch Singlebörsen mit Bestnoten bieten keine Garantie für eine hohe Seriosität. Denn die Testverfahren und Vorempfehlungen von Vergleichsportalen sind weder transparent noch unbestechlich. Ihre Empfehlungen orientieren sich meist an den Provisionen, die Dating-Dienste für ein vermeintlich gutes Testergebnis im Netz zahlen.

Viele Vergleichsportale sind in erster Linie an einem Vertragsabschluss ihrer User mit einer Singlebörse interessiert, weil sie dann eine Provision kassieren.

Um von vornherein zu vermeiden, an einen unseriösen Dienst zu geraten, sollte vor einer Registrierung oder Vertragsvereinbarung geprüft werden, ob Name, Adresse, Rufnummer und ein Verantwortlicher des Internetangebotes genannt sind. Außerdem ist es ratsam, sich das Kleingedruckte (die Allgemeinen Geschäftsbedingungen) genau anzuschauen, sagt Peter Lassek. Hier gilt es zum Beispiel darauf zu achten, dass der Anbieter persönliche Daten nicht ohne ausdrückliches Einverständnis an Dritte, etwa für Werbezwecke, weitergeben darf. Generell ist ein gesundes Misstrauen hilfreich, um nicht auf vorgetäuschte Identitäten hereinzufallen. Kontaktangebote mit teuren 0900er-Nummern sollten grundsätzlich gemieden werden. Susanne Schmidt-Lüer

Zum Weiterlesen:

Online-Dating ist ein schnelllebiges Geschäft – viele Portale verschwinden schon nach kurzer Zeit wieder, neue tauchen auf. Ende 2017 fanden die Marktwächter der bayerischen Verbraucherzentrale folgende 187 Portale, die zu diesem Zeitpunkt Hinweise auf Fake-Profile in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder Nutzungsbedingungen hatten: www.verbraucherzentrale.de/aktuelle-meldungen/digitale-welt/onlinedating-auf-diesen-portalen-flirten-fakeprofile-21848

Generelle Tipps wie mit Online-Börsen umzugehen ist, stellt die Verbraucherzentrale Hessen unter www.verbraucherzentrale-hessen.de/wissen/digitale-welt/soziale-netzwerke/virtuelle-partnersuche-singleboersen-im-internet-10585 zur Verfügung.

Kontakt zur Verbraucherzentrale Hessen www.verbraucherzentrale-hessen.de