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Ausstellung zum 200. Geburtstag im Institut für Stadtgeschichte  eröffnet

Dass die Stadt Frankfurt das Gedenken an zwei so besondere Frauen wie Maria Sibylla Merian und Clara Schumann nicht mit einem eigenem Ort oder Platz würdigt, ist Prof. Dr. Hans-Jürgen Hellwig, Vorsitzender der Robert-SchumannGesellschaft Frankfurt am Main, unverständlich. Ihrer Verdienste dürften nicht nur im Zusammenhang mit Familie oder Ehemann gedacht werden. Umso mehr begrüßt er es, dass im Dormitorium des Instituts für Stadtgeschichte eine Ausstellung zu Clara Schumanns 200. Geburtstag mit dem Titel: „Clara Schumann: Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“ zustande kam.

Die von Dr. Ulrike Kienzle kuratierte und als Kooperation zwischen dem Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main und der Robert-Schumann-Gesellschaft Frankfurt am Main verwirklichte Ausstellung zum 200. Geburtstag zeigt noch bis zum 26. Januar 2020 das bewegte Leben Clara Schumanns (1819–1896) im Wechselspiel mit der Geschichte der sich im 19. Jahrhundert rasch wandelnden Stadt.

Der Befestigungsgürtel um Frankfurt war geschleift, Platz für großzügige Anlagen geschaffen, Gebäude wie der Saalbau, das Opernhaus und Dr. Hoch‘s Konservatorium großteils aufgrund bürgerschaftlichen Engagements und nicht auf Initiative von Großfürsten oder Königen wurden gebaut. In dieses Dr. Hoch‘s Konservatorium wurde Clara Schumann 1878 als „Erste Klavierlehrerin“ berufen und zog Schülerinnen und Schüler aus ganz Europa an. Denn nach Erkrankung und letztendlich nach dem Tod ihres Mannes war sie allein für den Unterhalt der Familie zuständig.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Hellwig stellte zur Ausstellungseröffnung den besonderen Wirkungskreis der Künstlerin heraus: „Clara Schumann war eine Frau, die inmitten einer von Männern dominierten Welt ihren Weg finden musste. Sie war Ehefrau, Witwe und Mutter, tätig als Künstlerin und Pädagogin, als Unternehmerin und Herausgeberin der Werke ihres Mannes, aber auch als Mittelpunkt eines Kreises bedeutender Persönlichkeiten aus Kunst und Wirtschaft, Adel und Bürgertum im Frankfurt des wilhelminischen Zeitalters.“

Clara Schumann wurde als Clara Wieck am 13. September 1819 in Leipzig in eine Musikerfamilie hinein geboren. Die Mutter war Sängerin und Pianistin, der Vater Klavierfabrikant und Musikpädagoge. Nach der Trennung der Eltern 1824 wuchs sie bei ihrem Vater auf, der sie fortwährend förderte und forderte. Ihr erstes Konzert spielte sie im Alter von acht Jahren im Leipziger Gewandhaus und wurde bald als Wunderkind gefeiert. Clara kam 1831/32 erstmals nach Frankfurt, als die Zwölfjährige für zwei Konzerte an den Main reiste.

Zwischen 1854 und 1878 spielte sie hier weitere 23 Konzerte. Die Kuratorin und Autorin des Begleitbuches, Dr. Ulrike Kienzle, erläuterte die Persönlichkeit Clara Schumanns: „Sie war nicht nur Pianistin, sondern auch kompositorisch tätig. Doch dieses erfolgreiche musikalische Wirken ist nur ein Teilaspekt ihres außerordentlichen Wirkens und Schaffens. Sie schenkte acht Kindern das Leben und sorgte nach dem Tod ihres Ehemannes Robert Schumann allein für den Unterhalt der Familie. Sie gab zahlreiche Konzerte quer durch Europa, darunter immer wieder auch in Frankfurt.“

Auch das Leben ihres späteren Mannes Robert Schumann nahm in Frankfurt eine wegweisende Wendung. Er reiste zu Ostern 1830 an den Main, hörte hier ein Konzert des Violinvirtuosen Niccolò Paganini, brach daraufhin sein Jurastudium ab und widmete sich ganz der Musik. Clara Wieck und der neun Jahre ältere Robert Schumann heirateten 1840. Per Gerichtsurteil erkämpfte sich Clara das Einverständnis ihres Vaters, der gegen diese Ehe war.

Schumann erwartete von ihr ein Hausfrauendasein und schenkte ihr ein Kochbuch. Und aus Rücksicht auf den hochsensiblen und psychisch labilen Ehemann schränkte sie ihre Konzertreisen stark ein und kümmerte sich um die Erziehung der acht gemeinsamen Kinder. Gleichzeitig komponierte sie Klavierwerke, Kammermusik und Lieder. Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes 1856 begab sich Clara Schumann auf ausgedehnte Konzertreisen quer durch Europa, um die Familie zu ernähren. Damals gab es keine Konzertagenten, erklärte Dr. Ulrike Kienzle. Die Künstler mussten für alles selbst sorgen, für den Spielort, die Werbung und teilweise auch den Druck der Eintrittskarten, ein „hartes Brot“. Die Kinder verbrachten daher mehr Zeit in Internaten, bei Verwandten oder in Pensionen als bei ihrer Mutter. In der Mainmetropole lebte Clara Schumann von 1878 bis zu ihrem Tod 1896. Sie bezog ein Haus in der Myliusstraße 32 im Frankfurter Westend. Im Erdgeschoss empfing sie nicht nur Gäste aus Adel, Politik, Wirtschaftsbürgertum, Kunst und Wissenschaft, sondern unterrichtete dort auch ihre insgesamt 68 Schülerinnen und Schüler aus aller Welt. Sie erhielt den Besuch vieler bedeutender Musikerpersönlichkeiten, darunter Johannes Brahms.

Neben Darstellungen in Bild und Text (links: Clara Schumann am Klavier im Jahr ihres Umzugs nach Frankfurt, 1878, © ISG S7P/13100 aus der Sammlung Manskopf) präsentiert die Ausstellung ausgewählte Schätze aus der Sammlung Manskopf. Der Frankfurter Weinhändler und Musikaliensammler Friedrich Nicolas Manskopf legte Ende des 19. Jahrhunderts ein Musikhistorisches Museum für seine umfangreiche Sammlung an. Sie befindet sich heute in der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Zu sehen ist aus dieser Sammlung die lebensgroße Porträtbüste Clara Schumanns.

An sechs Hörstationen und zwei Medienstationen können die Besucherinnen und Besucher Werke Clara Schumanns und anderer Komponisten ihrer Zeit hören. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Sie ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Passend zur Ausstellung ist im Societäts-Verlag die von Dr. Ulrike Kienzle verfasste Begleitpublikation „Clara Schumann. Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“ mit 176 Seiten und über 130 Abbildungen erschienen; 22 Euro, ISBN

jup