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„Edie – für Träume ist es nie zu spät“ begleitet eine 83-Jährige bei der Erfüllung eines Lebenstraums / ab 23.Mai im Kino

Der Suilven gilt in Schottland nicht als „Munro“, er gehört nicht zu den höchsten 282 Bergen mit mehr als 3.000 feet (914,4 Meter) Höhe. Doch er ist einer der steilsten und verlangt großes Durchhaltevermögen, will man ihn besteigen. Denn schon vor dem eigentlichen Aufstieg auf den 713 Meter hohen Koloss muss man erst einmal einen Anmarschweg von gut zwölf Kilometern durchhalten. Wie ein Pfeiler ragt der Suilven aus einer flachen kargen Moorlandschaft auf und erfordert in der Regel zwei Übernachtungen im Zelt, bis man den extrem steilen Anstieg über einen zwei Kilometer langen Grat in Angriff nehmen kann. Von einer außergewöhnlichen Besteigung dieses außergewöhnlichen Berges erzählt der Film „Edie – für Träume ist es nie zu spät“.

Schottland-Fans kommen hier allein schon wegen der großartigen Landschaftsaufnahmen und der einfühlsamen Musik von Debbie Wiseman auf ihre Kosten. Aber auch die 83-jährige Edie dabei zu begleiten, wie sie sich der unmöglich erscheinenden Herausforderung stellt, diesen Berg zu besteigen und sich damit einen Lebenstraum zu erfüllen, rührt Schottland-Liebende an. Wer jemals dort gewandert ist, kennt die im Moor versinkenden Schritte, den manchmal nicht enden wollenden Regen, den Wind, aber auch die im immer wieder wechselnden Licht verzaubernde Landschaft, die für viele Anstrengungen entschädigt.

Edie, die Hauptdarstellerin des Films, ist 83 Jahre alt und hat diese Herausforderung angenommen und bewältigt. Und die Schauspielerin Sheila Hancock, die das gleiche Alter wie ihre Filmfigur hat, ist tatsächlich auf diesen Berg gestiegen. Sie hat trainiert, sie hat im Zelt übernachtet, ist bei Regen und Kälte durch das Moor gestapft und auf Händen und Füßen die Steilstücke zum Gipfelgrat hinaufgekrochen.

Die Zuschauer können spüren, dass ihnen Edie / Sheila Hancock nichts vormacht. Regisseur Simon Hunter legte Wert darauf, diesen Film so authentisch wie möglich in Szene zu setzen. „Irgendwie ahnt das Publikum immer, wenn es getäuscht wird“, so seine Überzeugung.

Doch neben der enormen körperlichen Leistung, die Edie erbringt, beeindruckt die Geschichte auch durch ihre seelische Stärke. Diese Frau, die sich ihr ganzes Leben lang von den Bedürfnissen anderer bestimmen ließ, die ihren kranken Mann 30 Jahre lang pflegte, ihre Tochter aufzog und nun in ein Altenheim umziehen soll, erinnert sich an ihren Lebenstraum. Dass ihre angestaubte Wanderausrüstung den heutigen Ansprüchen nicht genügt, lernt sie schnell, als die den jungen Bergführer Johnny engagiert, sie für den großen Aufstieg zu trainieren.

Wie dieser zunächst nur ein Geschäft wittert, dann Edies Dickkopf und später ihre Geschichte kennenlernt und schließlich ihr Freund und derjenige wird, der ihr bei der Verwirklichung ihres unmöglichen Traumes hilft,  ist niemals kitschig oder sentimental. Dennoch können sich alte wie junge Kinogänger davon anrühren lassen.        Lieselotte Wendl

Edie – für Träume ist es nie zu spät

Regie: Simon Hunter

Hauptdarsteller: Sheila Hancock und Kevin Guthrie