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Holzschnitte und Holzskulpturen von Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff

Noch bis 13. Oktober spürt das Städel Museum in der Ausstellung „Geheimnis der Materie. Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff“ den Wechselbeziehungen zwischen Holzschnitt und Holzskulptur im Schaffen von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Erich Heckel (1883–1970) und Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) nach. Die beiden unterschiedlichen künstlerischen Medien verbindet das Material Holz, das aufs Engste mit der Kunst des deutschen Expressionismus verknüpft ist. Für die drei Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ begann die Auseinandersetzung mit diesem natürlichen Werkstoff über den Holzschnitt – ein druckgrafisches Verfahren, bei dem die Darstellung wie ein Relief in eine meist dünne Holzplatte geschnitten wird. Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff reizte das große experimentelle Potenzial dieser Drucktechnik genauso wie die Arbeit mit dem Material. Die Beschäftigung mit den Eigenheiten der unterschiedlichen Holzarten und den Möglichkeiten der Technik zieht sich wie ein roter Faden durch die Oeuvres der drei Künstler. Zudem beschäftigten sie sich als einzige Vertreter der „Brücke“ intensiv und über einen längeren Zeitraum hinweg mit der Holzbildhauerei. Etwa zeitgleich zu den frühen „Brücke“-Holzschnitten entstanden erste Skulpturen, die in ihrer Bearbeitung formal und inhaltlich auf den Holzschnitt zurückwirkten – und umgekehrt. In der Ausstellung „Geheimnis der Materie. Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff“ vereint das Städel 98 Holzschnitte, 12 Skulpturen und 5 Druckstöcke (links: Ernst Ludwig Kirchner, Männliche Figur auf einem Berg. Die Sehnsucht, 1905). Ein Großteil der Werke stammt aus eigenem Bestand, aus der Sammlung Carl Hagemann, punktuell ergänzt wird er durch Leihgaben aus dem Stedelijk Museum Amsterdam, dem Brücke-Museum Berlin oder der Albertina Wien sowie einzelnen Werken aus Privatbesitz und dem Nachlass Erich Heckel in Hemmenhofen.

„Den Kern des heute außerordentlich reichen Bestandes expressionistischer Kunst im Städel Museum bildet die einst bürgerliche Privatsammlung Carl Hagemann. Diese wurde dem Kunstinstitut 1948 großzügig als Schenkung überlassen und bis heute konsequent ergänzt. Das Städel Museum ist eines der wichtigsten musealen Zentren weltweit, an denen die Arbeiten auf Papier der Expressionisten in höchster Qualität und Dichte erfahren werden können. Eine unserer dringlichsten Aufgaben ist es, diesen kostbaren Bestand nicht nur umfassend hinsichtlich seiner Provenienzen zu erforschen, sondern auch immer wieder unter neuen Aspekten zu beleuchten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Städel Direktor Philipp Demandt.

„Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff strebten nach künstlerischer Erneuerung, nach mehr Authentizität und Unmittelbarkeit. Dem natürlichen Material Holz kam dabei eine katalytische Rolle zu: Denn die drei Künstler schufen ihre Holzschnitte ganz bewusst im Dialog mit dem Material und ‚schälten‘ ihre Skulpturen aus zum Teil gefundenen Holzstämmen geradezu ‚heraus‘. Rosa Schapire, die große ‚Brücke‘-Förderin, hat einmal treffend formuliert, dass es den ‚Brücke‘-Künstlern nie nur um die sichtbare Welt ging, sondern auch um das Geheimnis der Materie. Dieses Geheimnis wird in den Holzschnitten und Skulpturen immer dann besonders spürbar, wenn die Strukturen und Besonderheiten des Holzes Teil der Gestaltung werden“, erläutert Regina Freyberger, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Graphischen Sammlung ab 1750 am Städel.                                 red

Mehr: www.staedelmuseum.de