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Das Deutsche Architekturmuseum zeigt eine Ausstellung über die Wirkung von Pflanzen im städtischen Umfeld

Der Aufwand ist überschaubar, der Nutzen enorm. Wie sehr Pflanzen das Leben in den Städten verbessern, führt das Deutsche Architekturmuseum (DAM) mit der Ausstellung „Einfach Grün – Greening the City“ vor Augen. Die Ende Januar gestartete Schau macht deutlich, dass sich gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel immer stärker zum Tragen kommt, Grünflächen und Bäume in vielerlei Hinsicht als Segen entpuppen. So senken sie durch Verdunstungskühlung die Aufheizung der Städte, fungieren als Feinstaubfilter, dämpfen den Umgebungslärm, reduzieren den Ausstoß von CO2, da weniger Klimaanlagen nötig sind und entlasten aufgrund ihre Absorptionsfähigkeit bei Starkregen das Abwassernetz. Die Präsenz von Pflanzen wirkt sich nicht zuletzt auf die Psyche aus. Wie wissenschaftliche Studien belegen, sind Menschen zufriedener, stabiler und seltener depressiv, wenn ihr städtisches Wohnumfeld Grün aufweisen kann.

Die Corona-Pandemie hat bislang zwar den Vor-Ort-Besuch der vom DAM in Kooperation mit der Forschungsabteilung des Internationalen Planungs- und Beratungsbüros Arup „Green Building Envelopes“ und dem Umweltamt Frankfurt auf den Weg gebrachten Ausstellung vereitelt. Die Videos auf der Website sind aber ein gelungener Ersatz. Vom Mitschnitt der Eröffnungsveranstaltung über Beiträge der beiden Kuratoren, der Kunsthistorikerin Hilde Strobl und dem Architekten und Ingenieur Rudi Scheuermann, bis zur virtuellen Führung gewähren sie umfassende Einblicke in eine komplexe Thematik. Die Vorteile der Bepflanzung kommen ebenso zur Sprache wie die Herausforderungen etwa bei Fassaden- oder Dachbegrünung, es werden wissenschaftliche und technische Aspekte beleuchtet und Antworten auf ganz praktische Fragen erteilt. Man erfährt unter anderem, ob ein Mieter einfach den Gehweg begrünen darf oder welche Pflanzen am besten für den Balkon geeignet sind. Selbst mit Kübeln lassen sich grüne Oasen mit hohem Mehrwert für Mensch, Flora und Fauna schaffen.

Jeder kann etwas tun

Einen Blick in die Geschichte wirft die Ausstellung auch – von den Hängenden Gärten der Antike bis Friedensreich Hundertwassers „Baummieter“-Wannen. Natürlich werden auch Beispiele aus der Gegenwart gezeigt. Die beschränken sich nicht auf spektakuläre Projekte wie die „Bosco Vertikale“ – vertikaler Wald – genannten Zwillingstürme in Mailand. Unter dem Titel „Call for Projects“ ruft das DAM bis hin zum Balkonbesitzer zur Einreichung von Begrünungsprojekten auf. Die Beiträge der bisherigen Preisträger sind unter der Internetadresse einfach-gruen.jetzt versammelt und werden ständig ergänzt. In Frankfurt zeichnete die Jury etwa die Begrünung einer privaten Dachterrasse im Mertonviertel und eines Hinterhofdaches durch den Kindergarten KIDS in Bockenheim aus.

Wie sich bereits versiegelte Stellen mit Grün bereichern lassen, demonstriert seit geraumer Zeit auch die Stadt. In heißen Sommermonaten sorgt das Mobile Grüne Zimmer – eine fünf Meter lange, zweieinhalb Meter breite und knapp drei Meter hohen Pflanzenwand mit Bänken – auf heißen Plätzen für einen angenehmen Ort der Rast. Als jüngsten Vorstoß der Begrünung hat die Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF die Dächer der beiden Wartehäuschen der Straßenbahn-Haltestelle Börneplatz/Stoltzestraße mit Sedumpflanzen bestückt. Die müssen dank eines Wasserrückhaltespeichers nicht gegossen werden und besitzen insektenfreundliche Blüten. Selbst diese recht überschaubare Begrünung weist die eingangs beschriebenen Effekte auf. Wie der VGF Geschäftsführer Technik und Betrieb, Michael Rüffer, versichert, „filtern die Pflanzen den Feinstaub des Verkehrs, sorgen somit für eine bessere Luftqualität und kühlen die Luft bei Hitze ab“.

Doris Stickler

Infobox

Je nach Pandemielage ist die Ausstellung „Einfach Grün – Greening the City“ bis 11. Juli  direkt im DAM zu sehen – eventuell wird sie auch verlängert. Der virtuelle Besuch ist jederzeit unter www.dam-online.de möglich. Hier sind auch die Termine der digitalen Führungen zu finden. Unter www.einfach-gruen.jetztwerden die bisher für „Call for Projects“ ausgewählten Beiträge vorgestellt. Über einen Link auf der Website können noch bis Anfang Juni Projekte eingereicht werden. Rückfragen per E-Mail an: projects@einfach-gruen.jetzt

Handbuch für Gebäudegrün

Anlässlich der Ausstellung haben Hilde Strobl, Rudi Scheuermann und DAM-Direktor Peter Cachola Schmal ein sehr informatives Handbuch für Gebäudegrünherausgegeben. Gleichermaßen an Bürger wie an Architekten und Bauherrn gerichtet, liefert es Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen – von der Bestandsbegrünung bis zur Neubaubegrünung, von Einsparungen durch Gebäudegrün bis zu finanziellen Förderungen, von praktischen Tipps zur Pflanzenwahl bis zu ökologischen Auswirkungen auf das Klima in Städten. 304 Seiten, deutsch/englisch, ISBN 978-3-939114-10-9, 19 Euro. Es kann telefonisch unter 069/212-388 44 oder per E-Mail info.dam@stadt-frankfurt.de bestellt werden.