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Interaktive Ausstellung im Museum für Kommunikation

Jeder schleppt so seine Geheimnisse mit sich herum. Es gibt Familiengeheimnisse und Firmengeheimnisse. Mancher hält seine finanziellen Verhältnisse geheim, andere vielleicht ihre Vorliebe für große Autos oder kleine Eisenbahnmodelle. Auch gesundheitliche Besonderheiten und Probleme werden gern geheim gehalten. Seit Menschen zusammenleben, gibt es Geheimnisse, und sie sind eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden. Öffentliches und Privates haben sich längst verschoben: Da gibt es zum einen den Datenschutz, zum anderen das Telefon und die sogenannten sozialen Medien. Mancher gibt alles von sich preis, andere pochen auf ihr Privatleben.

Im Frankfurter Museum für Kommunikation fragt eine neue Ausstellung nach dem Zusammenspiel von Transparenz und Schutz, von Macht und Vertrauen sowie von persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Es ist keine klassische Objektausstellung, sondern will durch interaktive Installationen zur Reflexion des Phänomens und zum Dialog darüber anregen. Von „Ich habe nichts zu verbergen“ bis zum Wunsch, alles für sich zu behalten, ist alles möglich. Ein Fragebogen, den man freiwillig ausfüllen kann, lässt vielleicht manchen verwundert zurück, wenn er feststellen muss, dass er auch ein „Geheimnisträger“ ist. Auch das Privateste überhaupt, die Familie, pflegt oft Geheimnisse, die nicht immer schön sind. Da wird in der Ausstellung unterschieden zwischen schönen Geheimnissen (etwa Überraschungsfeste), konstruktiven (beim Teilen von Geheimnissen entsteht Nähe, sie sind dann „soziale Währung“), vergiftenden (Sucht, Krankheit, Schulden) und gefährlichen Geheimnissen (etwa, wenn Bedrohendes verraten werden muss, um Leben zu retten). Es gibt zum Bespiel auch eine Kabine, in der man Geheimnisse anonym erzählen darf, und eine, in der man anderen zuhören kann.

Konzipiert wurde die Ausstellung von der 2007 gegründeten Nemetschek Stiftung, die als operative Stiftung die Demokratie fördern will. Sie ist bis zum 26. April 2020 zu besuchen und bietet ein umfangreiches Begleitprogramm für Einzelbesucher, Gruppen und Schulklassen. Weitere Informationen unter: