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Kfz-Versicherungsgebühren werden für Ältere oft teurer

Obacht! Zum Jahresende kommt wieder die jährliche Beitragsrechnung des Kfz-Versicherers für Haftpflicht und Kasko. Da lohnt sich ein kritischer Blick auf die Rechnung und in die Vertragsunterlagen.

Der Versicherungsmarkt ist unübersichtlich. Einige Versicherer erhöhen die Gebühren zum Jahreswechsel unangekündigt, wenn die Autofahrer die 55 überschritten haben, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfiehlt die Erhöhung allerdings erst mit Ablauf von 68 Jahren. Gegen diese versicherungsmathematische Festlegung macht die Finanztip-Redaktion darauf aufmerksam, dass die Unfallhäufigkeit aber erst jenseits der 75 signifikant steigt. Zudem ermittelte das Vergleichsportal Verivox zum Jahreswechsel 2020 eine Erhöhung des Alterszuschlags um 15 Prozent bei Vollkasko- und bei Haftpflichttarifen um 18 Prozent. Doch welche Versicherung jetzt ab welchem Jahr wieviel Alterszuschlag erhebt, erfährt der Verbraucher nur konkret, wenn er sich bei seiner Versicherung erkundigt.

Die klammheimliche Erhöhung fällt betroffenen Senioren, die unfallfrei gefahren sind, möglicherweise gar nicht auf. Denn in manchen Fällen gleicht der individuelle Schadenfreiheitsrabatt die Höherstufung sozusagen aus, weil jene Rabatte parallel zur Erhöhung der Alterszuschläge allgemein gestiegen sind. Der Trend geht heute zur Berücksichtigung bis zu 45 unfallfreien Jahren statt 35.

Seine eigenen Interessen bei der Kfz-Versicherung zu wahren ist gar nicht so einfach. Die Versicherer kalkulieren die Tarife eigenständig nach Typklasse und Alter des Autos bei Erwerb, Wohnort (Regionalklasse), jährliche Fahrleistung, Nutzer und deren Alter, Anzahl schadenfreier Jahre und Beschäftigungsverhältnis. Sie räumen Rabatte ein für Garage, Automobilclubmitgliedschaft oder bei mehreren Verträgen beim selben Versicherer. Dabei richten sie sich nicht unbedingt nach den Empfehlungen ihres Gesamtverbandes.

Wie den Vertrag überprüfen?

Diese Fragen helfen, den Sachverhalt individuell für sich zu klären:

Ab welchem Alter erhöht mein Versicherer den Alterszuschlag? Und wie hoch ist er?

Wenn ich viele Jahre unfallfrei gefahren bin: Hat mein Versicherer eine Schadenfreiheitsrabattstaffel, die für mich günstig ist? (Spitzenwert sind bis zu 60 schadenfreie Jahre.)

Stimmen meine Angaben noch? Etwa die Höhe der gefahrenen Kilometer? Oder die in der Police mit eingetragenen Kinder?

Wie günstige Anbieter ermitteln?

Die Finanztip-Redaktion empfiehlt, auf den Portalen von Check24 oder Verivox im Internet die individuell günstigste Kfz-Versicherung kostenlos zu ermitteln. Dort spuckt eine Berechnungsmaske in Sekundenschnelle Angebote aus, wenn man seine Daten eingetragen hat. Die Ergebnisse solle man dann mit dem Angebot der Website von Huk24 vergleichen. Dieser erfahrungsgemäß günstige Anbieter hat nämlich keinen Vertrag mit den beiden Portalen.

Alternativ kann man sich bei der Stiftung Warentest unter der Webadresse https://www.test.de/thema/autoversicherung für 7.50 Euro die günstigsten Anbieter aussuchen lassen. Wer im Prinzip mit seinem Versicherer zufrieden ist, kann allerdings auch mit einem Anruf ausloten, ob es noch Nachbesserungspotenzial gibt, zum Beispiel durch Umstellen auf jährliche Zahlung.

Wie kündigen?

Bei Erhöhung hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Ansonsten kann in der Regel zum Jahresende gekündigt werden. Die Kündigung muss dem Versicherer am Stichtag, dem 30. November, schriftlich vorliegen. Der neue Vertrag sollte vorher schon für die Zeit nach dem 1. Januar abgeschlossen sein.

Karin Willen