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Architekturmuseum zeigt  Modelle des Architekten Heinz Bienefeld

Entwürfe in Beton zu realisieren, wäre Heinz Bienefeld nie in den Sinn gekommen. In seinem vierzigjährigen Wirken als Architekt blieb er stets Ziegelsteinen treu. Mit ihnen schuf er nicht nur bloße Mauern. Mal hochkant, mal quer, mal fischgratartig angeordnet und in verschiedenen Farben und Größen eingesetzt, sind vor allem die Wände seiner Sakralbauten Kunstwerke für sich. Auch bei der Gestaltung von Wohngebäuden legte Heinz Bienefeld von den Außenmauern bis zum Türgriff großen Wert auf jedes Detail. Ab den 1980er Jahren kombinierte er die in seiner rheinländischen Heimat produzierten Ziegel oftmals mit Glas und Stahl.

Wie ansprechend die Bauten des 1926 in Krefeld geborenen und dem breiten Publikum bis heute wenig bekannten Architekten sind, führt das Deutsche Architekturmuseum (DAM) nun mit einer Ausstellung vor Augen. Im Gegensatz zu der großen Retrospektive 1999 muss sich das Haus dieses Mal zwar mit einer Etage begnügen. Doch macht bereits eine Auswahl von Modellen realisierter wie nicht umgesetzter Projekte, von Plänen und aktuellen Fotografien Heinz Bienefelds Schöpferkraft deutlich. An den Kölner Werkschulen avancierte er nicht ohne Grund zum Meisterschüler des renommierten Kirchenbauers Dominikus Böhm. Später hat er als selbstständiger Architekt eine eigene, unverkennbare Handschrift entwickelt.

Modelle aus Plastilin und Wachs

Die knapp 20 mehrheitlich aus Plastilin oder Wachs gefertigten Modelle der Ausstellung spiegeln für Kurator Philipp Sturm die architektonische Auffassung und Denkweise Heinz Bienefelds wider. Es sei ihm nicht darum gegangen, das Gebäude originalgetreu abzubilden, sondern es gewissermaßen organisch der aus dem gleichen Material bestehenden Umgebung entwachsen zu lassen. Die Pläne und Skizzen zeugten dagegen von Detailversessenheit und dem hohen Anspruch an Qualität. Dies habe zwar Großaufträge vereitelt, doch ihn zum „Meister komplexer Kirchenbauten und römisch anmutender Wohnhäuser“ werden lassen.

Hierzu trug nicht zuletzt seine Orientierung an der Architektur der italienischen Antike, der Renaissance sowie der zeitgenössischen Moderne bei. Ein Übriges tat die Verwendung natürlicher Materialien wie „dem ältesten vom Menschen hergestellten Baustoff“ Ziegelstein, ist sich Co-Kuratorin Katleen Nagel sicher. Dass Heinz Bienefeld konsequent die raue Seite der Ziegel nach Außen kehrte sei charakteristisch für seine Haltung. Er habe eben auch den unvermeidlichen Alterungsprozessen Raum gewährt. Zumal bei Ziegelsteinen „die Spuren der Witterung und des Gebrauchs mit dem Material eher eine Symbiose eingehen, als es zu schwächen“. 

Bienefeld-Nachlass liegt in Frankfurt

Museumsdirektor Peter Cachola Schmal kann nur begrüßen, dass das Interesse an dem 1995 verstorbenen Baukünstler inzwischen steigt. „In letzter Zeit wird Heinz Bienefeld verstärkt von jungen Architektinnen und Architekten zitiert.“ Sogar aus Tokio habe er schon Anfragen erhalten, wo 2019 eine umfangreiche Publikation über dessen Werk erschienen sei. Zur Freude des DAM-Leiters bewahrt das Haus den Nachlass dieses lange verkannten Architekten, der „klassisch wie Mies van der Rohe“ ist. Er gehe davon aus, dass Bienefelds Sakral- und Profanbauten bald unter Denkmalschutz stehen. Das Vorverfahren sei bereits eingeleitet.

Doris Stickler

Die Ausstellung „Antike radikal – Häuser und Kirchen von Heinz Bienefeld“ ist bis 26. September im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, zu sehen.

Öffnungszeiten: Di 12–18 Uhr, Mi–Fr 12-20 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr
Weitere Informationen: 069 / 212-38 844 oder www.dam-online.de