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Stadtkirchenarbeit St. Katharinen und Immobilienunternehmen Signa Real Estate arbeiten zusammen

Wohnungslose und Bedürftige trifft der Lockdown besonders hart. Sie finden keine Pfandflaschen mehr, erhalten keine Essensspenden von Restaurants, treffen kaum noch auf Passanten, die ein paar Münzen locker machen. Umso wichtiger war es dem Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Katharinen, Olaf Lewerenz, die jährliche Winteraktion zu ermöglichen. Aus Hygiene- und Abstandsgründen schied das Gotteshaus an der Hauptwache allerdings aus.

Auf der Suche nach Alternativen kam er auf die Idee, die leerstehende Etage des ehemaligen Kaufhauses gegenüber der Kirche zu nutzen. Zu seiner Freude war das Immobilienunternehmen Signa Real Estate sofort offen dafür und stellte sie kostenlos zur Verfügung. Wie Chief Operation Manager Tobias Sauerbier bei der Vorstellung der Winteraktion betonte, gehört „soziales Engagement zur DNA des Unternehmens“. „Unser Interesse endet nicht an der Immobiliengrenze, sondern gilt auch dem Quartier und der Stadt.“

Essen und ein warmer Platz zum Ausruhen

Auf den rund 1.000 Quadratmetern – die doppelte Fläche der Katharinenkirche – lassen sich die Tische und Stühle mit gebührendem Abstand verteilen. Eine gute Lüftungsanlage gibt es auch. Der Raum lässt zudem einen abgeschirmten Bereich für Feldbetten und Isomatten zu. Einen Rückzugsort einzurichten lag Olaf Lewerenz besonders am Herzen, denn: „Ein warmer Platz zum Ausruhen ist für viele Wohnungslose fast wichtiger als das Essen.“ 

Der Pfarrer geht davon aus, dass den Gästen keine zeitliche Beschränkung auferlegt werden muss. Zwar dürften nur maximal 50 Personen gleichzeitig zugegen sein. Er rechne aber damit, dass deutlich weniger Menschen als üblich kommen werden. In den vergangenen Jahren habe man täglich 250 bis 300 Essen ausgegeben. Vermutlich blieben viele Seniorinnen und Senioren fern, auch seien etliche aus Osteuropa stammende Besucher wegen der Pandemie in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Zudem habe man die Öffnungszeit um eine Stunde verlängert.

Wie Olaf Lewerenz einräumt, ist der Aufwand dieses Mal ungleich größer, doch sei es für ihn und das Team keine Frage: „In dieser Situation sind wir mehr gefordert als sonst und dürfen nicht in unseren warmen Wohnungen sitzenbleiben. Man kann viel von Gottes Liebe predigen, wir setzen sie lieber um.“ Da in diesem Jahr die zur Risikogruppe gehörenden Stammhelfer sicherheitshalber zuhause bleiben, hat Julia Eckelhöfer für ausreichend zupackende Hände gesorgt.

Eintracht-Fan-Projekt hilft

Die 37-jährige Speditionskauffrau kam durch das Eintracht-Fan-Projekt „Wir tragen den Adler im Herzen“ schon vor einiger Zeit zur Winteraktion und gehört seit drei Jahren dem Leitungsteam an. Gewöhnlich seien immer 20 bis 25 Ultras vor Ort, jetzt engagierten sich rund 40 Fans. Sie werden unter anderem die eintreffenden Gäste an die Tische begleiten und ihnen ein warmes Essen und Getränke servieren.

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld weiß es zu schätzen, dass die Winteraktion trotz der überaus schwierigen Umstände auf die Beine gestellt worden ist. Zumal sie die „bestehenden Hilfesysteme ausgezeichnet ergänzt“ und die „Innenstadt der zentrale Aufenthaltsort für Wohnungslose“ ist. Vor allem durch die Rückkehr von Osteuropäern in ihre Heimat lebten „in diesem Winter zwar „rund 20 Prozent weniger Menschen auf der Straße.“

Dennoch habe die Stadt in der B-Ebene Eschersheimer Turm für etwa 90 Personen Schlafplätze eingerichtet sowie Hotels angemietet, in denen 425 Notübernachtungsbetten zur Verfügung stehen. Diejenigen, die in keine Unterkunft möchten, statte der Kältebus mit Isomatten, Schlafsäcken und heißen Getränken aus. Gegenwärtig seien das rund 150 Menschen. „Ich bin dankbar, dass in Frankfurt seit langem niemand mehr erfroren ist“, hob Daniela Birkenfeld mit Blick auf die Hilfen hervor.

Weil dies früher wiederholt geschehen ist, habe im Januar 1987 die Katharinenkirche ihre Tür für Wohnungslose geöffnet, erinnerte Pfarrer Lewerenz an die Anfänge der Winteraktion. Mit heißer Suppe und vier Ehrenamtlichen gestartet, habe sich das Angebot im Laufe der Zeit professionalisiert. Das sei nicht zuletzt der finanziellen Unterstützung durch die Heinz und Gisela Friedrichs-Stiftung, einiger Unternehmen und Einzelspendern sowie dem inzwischen rund 30-köpfigen Helferteam zu verdanken.

Vom 10. bis 31. Januar 2021 findet die Winteraktion in der früheren Karstadt Sportarena gegenüber der Katharinenkirche statt. Wohnungslose und bedürftige Menschen erhalten von 11.30 bis 16 Uhr ein warmes Essen, belegte Brote und Kaffee und Kuchen. Geöffnet ist bis 17 Uhr.

Doris Stickler