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Die Situation für Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft ist auf dem Land immer noch anders als in einer großen Stadt, wo die Vielfalt der Kulturen längst selbstverständlich ist. Das ist auch in Frankreich so. Aber wer kann sich heute noch vorstellen, wie das vor 40 Jahren war?

Ein Dorf in der tiefsten französischen Provinz hat schon seit Jahren keinen Arzt mehr. Da gelingt es dem Bürgermeister – und das auch noch nur wenige Monate vor den Wahlen – einen Arzt ins Dorf zu holen. Aber dieser Arzt hat eine schwarze Hautfarbe – und das ist für die Bewohner ein Problem.

„Ein Dorf sieht schwarz“ zeigt den Zusammenstoß der Kulturen, wie er heftiger nicht sein könnte. Zwar gibt sich Seyolo Zantoko, der hochgebildete frischgebackene Arzt aus dem Kongo, alle Mühe, sich anzupassen. Aber seine Mühe ist vergebens. Die Menschen sehen in ihm einen Medizinmann und nicht einen „richtigen“ Arzt. Als dann noch seine Verwandtschaft ins Dorf einfällt und die Christmette zum Gospel-Ereignis umgestaltet, scheinen seine Chancen immer geringer zu werden, hier den Lebensunterhalt für sich, seine Ehefrau und seine zwei Kinder zu sichern.

Doch dann muss ausgerechnet am Heiligabend ein Kind bei einer schweren Geburt auf die Welt geholt werden – und die Dorfgesellschaft erkennt die Leistungen des Arztes an. Als schließlich die fußballbegeisterte Tochter den örtlichen Verein in ungeahnte sportliche Höhen schießt, scheint alles gut. Auch die Intrigen des politischen Konkurrenten um das Bürgermeisteramt und die französische Bürokratie können das Happy End nicht verhindern.

Das Schönste an dem Film ist, dass er kein Märchen ist. Er beruht auf der wahren Geschichte des Arztes Seyolo Zantoko, der bis an sein Lebensende der hochgeachtete und beliebte Landarzt in Marly-Gomont, dem Provinzort, bleibt. Kamini, sein Sohn, ist in Frankreich ein bekannter Rapper. Er hat die Geschichte in seinem Song „Marly-Gomont“ äußerst erfolgreich verarbeitet und auch das Drehbuch verfasst.

Ab 20. April in den Kinos.

wdl