Aktuelle Ausgabe zum Lesen  eye    zum Hören  ear
Schriftgröße  

Ausstellung „Barrierefreies Wohnen und Leben“ in der University of Applied Scienes steht jedermann offen

Wie kann man behinderten und pflegebedürftigen Menschen den Alltag erleichtern? Es gibt viele Hilfsmittel, und manchmal sind es ganz kleine Dinge, die große Wirkung zeigen. Seit vielen Jahren zeigt die Ausstellung „Barrierefreies Wohnen und Leben“ im Untergeschoss der University of Applied Sciences (UAS, früher Fachhochschule Frankfurt) auf rund 150 Quadratmetern eine Auswahl solcher Hilfsmittel. Die neugestaltete Schau, die gemeinsam mit dem Sozialverband VdK betrieben wird,  präsentiert seit einiger Zeit auch die ganze Bandbreite neuer „assistiver Technologien“ für den häuslichen Bereich.

Besonders ins Auge fallen die robotischen Entwicklungen wie etwa die emotionalen Roboter Paro und Pleo (siehe SZ 3/16, Seite 28). An der Studie der Goethe-Universität zur Akzeptanz solcher Roboter hat die UAS mitgewirkt und die Interviews mit Betroffenen, Angehörigen, Pflegekräften und Leitungspersonen aus der Pflege geführt.

In der Ausstellung kann auch der Telepräsenzroboter Giraff getestet werden, der dazu beitragen soll, dass alte und behinderte Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung leben können. Im Grund beruhen die Fähigkeiten dieses etwa wie ein kleines Stehpult gestalteten Gerätes auf der Möglichkeit einer Videokonferenz. Von einem Rechner an einem beliebigen Ort kann sich eine Person dort einloggen. Wenn die Person, bei der der Roboter steht, das Gespräch annimmt, erfolgt eine Videokonferenz, bei der Fragen gestellt und Probleme geklärt werden können, sagt Professorin Barbara Klein, die die Ausstellung betreut. Wenn etwa die pflegebedürftige Person ihre Medikamente nicht genommen hat, kann der Roboter ferngesteuert die Medikamente holen und anreichen.

Neben dem Telepräsenzroboter oder einer Sensormatte, die beim Betreten Licht anmacht und bei einem Sturz Alarm auslöst, sind viele weitere Hilfsmittel zum barrierefreien Wohnen, Alltagshilfen, Pflegehilfen und Mobilitätshilfen in der Ausstellung zu finden. Für jeden Studierenden im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit ist ein Besuch der Ausstellung vorgesehen, sagt die Professorin. Dabei könnten ganz praktisch die verschiedenen Hilfsmittel ausprobiert werden. Auch in der Lehre würden etwa You Tube-Filme, die bestimmte Hilfsmittel erklären, eingesetzt.

Praktiker lassen sich in der Ausstellung die neuesten Hilfsmittel zeigen und informieren sich über Möglichkeiten ihres Einsatzes. Wohnberater und Architekten kommen ebenso wie Handwerker, Politiker oder Wissenschaftler anderer Hochschulen. Eingebunden sind auch die Alten- und Krankenpflegeschulen, oder Auszubildende in der Ergotherapie.

Seit einiger Zeit testet die UAS auch die sogenannten Wearables, am Körper des Menschen eingesetzte Computersysteme. Bekannt sind vor allem die „Fitnesstracker“, die alle möglichen körperlichen Faktoren (etwa Puls, Stressfaktoren, Schlaf, Gewicht) messen. Wenn es auch eher die „Babyboomer“ sind (die Testpersonen sind im Alter 45+), die für die mit dem Smartphone verbundenen Armbänder ansprechbar sind, könnte die Möglichkeit der Überwachung körperlicher Faktoren für ältere Menschen ebenso interessant, ja sogar nützlich sein, meint Barbara Klein. Inwieweit diese Geräte etwa an die Hausautomation oder einen Hausnotruf sinnvoll angeschlossen werden könnte, werde derzeit ebenfalls erforscht.

Übrigens kann sich jeder Interessierte in der Ausstellung ausführlich informieren lassen. Für sie wird an jedem letzten Mittwoch im Monat ab 14 Uhr eine zweistündige Führung angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Ausstellung befindet sich im Gebäude 2 der UAS (Untergeschoss), Raum 044, Nibelungenplatz 1.

Lieselotte Wendl