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  • Seit der Einführung des stationären Teils der Pflegeversicherung zum 1. Juli 1996 stieg der Anteil der privaten Betreiber von Pflegeheimen von 29 Prozent 1994 auf 40,6 Prozent 2013.
  • Auch nach der Einführung der Pflegeversicherung wird im Schnitt ein Drittel der Pflegekosten von der Sozialhilfe getragen. Bewohnern bleibt in solchen Fällen nur ein geringer Bargeldbetrag, in Hessen sind es knapp 108 Euro, mit dem sie alle zusätzlichen Leistungen wie Friseur, Telefonkosten oder Fußpflege und Reinigung bezahlen müssen. Seit 2004 müssen sie außerdem von ihrem Barbetrag Zuzahlungen zu Medikamenten, Therapien, Fahrtkosten und Hilfsmitteln bis zu einer Belastungsgrenze bezahlen. Kleine Schmankerl wie Süßigkeiten, Zeitschriften oder Zigaretten können sie sich damit kaum noch leisten.
  • In der Pflegestufe 2 stehen einem Bewohner rund 91 Minuten Pflegezeit pro Tag zur Verfügung. Allerdings fließen 20-30 Prozent der Zeit in die äußerst aufwendige Pflegedokumentation. Verwaltung, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Angehörigengespräche oder Arztgespräche gehen ebenfalls von dieser Zeit ab.
  • Insgesamt gibt es für eine an den Bedürfnissen der Bewohner orientierte Pflege viel zu wenige Planstellen. Zudem blieben 2011 bundesweit rund 30.000 Stellen in der Altenpflege unbesetzt.
  • Eine Ausbildungsoffensive ist nötig, Altenpflegeschülerinnen und –schüler müssen angemessen vergütet werden, anstatt von ihnen zu verlangen, Schulgeld zu zahlen.
  • Gelänge es, durch Reformen jedem Pflegeheimbewohner ein großes Einzelzimmer zur Verfügung zu stellen und den Tagesablauf durch mehr Personaleinsatz nach den Bedürfnissen der Bewohner zu gestalten, verlören Pflegeheime viel von ihrem Schrecken.

Informationen zum Alltag in Pflegeheimen aus: Michael Graber-Dünow „Pflegeheime am Pranger. Wie schaffen wir eine bessere Altenhilfe?“ Mabuse-Verlag, 16,95€.