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Seniorenbeirat tagte im Juli

Ein Hauch von „Normalität“ lag in der Luft, als der Seniorenbeirat nach fast einem Jahr wieder in Präsenz zusammentrat. Zwar nur in reduzierter Anzahl. Aber immerhin. Zum Auftakt informierte die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Dr. Renate Sterzel, über seniorenrelevante Themen, die in den Koalitionsvertrag der neuen Stadtregierung Eingang gefunden haben. Als ehrenamtliches Magistratsmitglied war Renate Sterzel an den Koalitionsgesprächen beteiligt, „die in einer guten Stimmung geführt wurden. Es waren Gespräche auf Augenhöhe“. Indes werde in dem Papier der „Seniorenbeirat als Gremium nicht erwähnt“, merkte Sterzel an, aber viele inhaltliche Punkte, mit denen sich das Gremium seit Jahren befasse und dazu Anträge eingebracht habe, seien im Vertrag aufgeführt. Als Beispiele nannte Sterzel das 365-Euro-Jahresticket für alle für den Öffentlichen Nahverkehr, das kostengünstigere Kurzstreckenticket für Senioren und eine Ausweitung des barriere- und seniorengerechten Wohnungsbaus. Der Seniorenbeirat hofft zudem auf einen Besuch der designierten, künftigen Sozial- und Seniorendezernentin Elke Voitl in einer der nächsten Sitzungen.

Daneben präsentierte der Beirat einen Videoclip, mit dem sich das Gremium „virtuell“ an der Parade der Vielfalt beteiligte. Neben Renate Sterzel stellten die Mitglieder Doris Achenbach, Pieter Zandee und Karin Rebenstock die Arbeit des Seniorenbeirats sowie städtische Angebote für ältere Frankfurter in dem Filmbeitrag vor. Auf Anregung von Hans-Georg Gabler (Ortsbeirat 2)  wird sich der Seniorenbeirat mit einem Brief an die Frankfurter Entsorgungs- und Service Gesellschaft (FES) wenden, damit auch weiterhin über die FES die speziellen Groß-Mülltonnen bezogen werden können, die aufgrund der Konstruktion und einer zusätzlichen Klappe für kleinere, schwächere und mobilitätseingeschränkte Menschen zu bedienen sind. Bei einem Anruf bei der FES hatte Hans-Georg Gabler erfahren, dass die FES plane, das Angebot der Deckel-in-Deckel-Mülltonnen einzustellen.

„Seniorenflyer“ soll überarbeitet werden

In der Sitzung berichtete Vorsitzende Sterzel von einer Neuauflage und Überarbeitung des Seniorenflyers, den das Büro des Oberbürgermeisters Peter Feldmann vor gut viereinhalb Jahren veröffentlicht hatte. Sehr zum Missfallen vom Seniorenbeirat waren beispielsweise die Interessensvertretung älterer Frankfurter wie auch die Senioren Zeitschrift in dem Flyer nicht genannt worden. Das hatte der Seniorenbeirat in der Vergangenheit kritisch angemerkt. Um die Inhalte der neuen Version zu besprechen, hat sich unter der Leitung des OB eine Arbeitsgruppe gebildet, an der unter anderem der Altersmediziner Professor Johannes Pantel und Dr. Renate Sterzel teilnehmen.

Ein weiteres Thema betraf die weiterhin schwierige Situation der Landesseniorenvertretung (LSV), die seit dem Tod des Vorsitzenden „quasi nicht mehr existent ist. Die Arbeit findet praktisch nicht statt“, so Renate Sterzel. Bislang ohne Antwort blieb ein Brief, den die Vorsitzende an das zuständige hessische Sozialministerium geschickt hatte. Renate Sterzel zufolge habe die LSV in 2021 noch keine finanziellen Mittel seitens des Landes erhalten, um etwa Miete und Personalkosten zu zahlen. Mit ein Grund hierfür sei wohl, dass das Land die LSV nicht als „ordentliche Einrichtung“ finanziert habe, sondern nur projektorientiert, monierte Heinrich Trosch (Ortsbeirat 4). Er hatte in der Vergangenheit für das Gremium kandidiert. Nach seiner Ansicht hat sich die Landesseniorenvertretung über Jahre nicht ausreichend um die Lösung ihrer Probleme – wie eben Finanzierung und Buchhaltung – gekümmert.

Versorgung mit öffentlichen Toiletten unzureichend

Unzufrieden zeigte sich das Gremium über das nach wie vor fehlende Konzept für öffentliche Toiletten im Stadtgebiet, das der bisher zuständige Dezernent Jan Schneider über Jahre hinweg ankündigt hatte. Anlass, sich hiermit erneut zu befassen, war die Beschwerde eines Bürgers, der in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 3 über fehlende öffentliche und barrierefreie Toilettenanlagen im Grüne- und im Günthersburgpark klagte, berichtete Pieter Zandee. Auf solche sei der Mann aber angewiesen, wenn er als E-Rolli-Fahrer dort mit seinen Kindern unterwegs sei. Offenbar seien auch die städtischen Museen bislang nicht bereit, ihre Toiletten in der Übersicht als öffentlich zugänglich aufzuführen, hieß es aus den Reihen des Seniorenbeirats. Daher will das Gremium das Thema weiter vorantreiben und „Druck aufbauen. Denn es geht hier um die Notdurft“, betonte Karin Rebenstock.

Die nächste öffentliche Sitzung des Seniorenbeirats ist am Mittwoch, 18. August, um 9.30 Uhr im Jugend- und Sozialamt (Eschersheimer Landstraße 241-249, Raum A 001). Sonja Thelen