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Jüdisches Museum zeigt die weibliche Seite in den Gottesvorstellungen der monotheistischen Religionen

Im Judentum, Christentum und Islam gibt es nur einen Gott, und dieser nennt seinen Anspruch auf Alleinverehrung in den jeweiligen heiligen Schriften auch deutlich beim Namen. Doch noch in der Antike herrschten vom Roten Meer bis zum Nil, vom Euphrat bis zum Ionischen Meer auch zahlreiche Göttinnen. Im Polytheismus jener Zeit gab es Alleinherrscherinnen unter den Göttinnen oder solche, die den Göttern als gleichberechtigte Partnerinnen zur Seite gestellt waren. Es gab Göttinnen für besondere Aufgaben, Notlagen und Bedürfnisse. In einer langen Übergangsphase zwischen Polytheismus und Monotheismus verschwanden diese allmählich, um einem einzigen Gott Platz zu machen.

Das Jüdische Museum Frankfurt zeigt jetzt in einer beeindruckenden Ausstellung die kulturhistorischen Spuren weiblicher Gottesvorstellungen in den drei monotheistischen Religionen. Archäologische Artefakte aus dem alten Orient etwa zeigen, welche Kräfte und Eigenschaften diesen Göttinnen zugeschrieben wurden und welche Wünsche man auf die projizierte.

Aber auch in den monotheistischen Religionen geht das weibliche Element nicht verloren. Die Weisheit als Partnerin und Kind Gottes etwa findet ihren Platz in biblischen Texten an der Seite Gottes.

Die Bedrohung durch die Frau als Verführerin wird in der Ausstellung ebenso thematisiert wie die Darstellung der Muttergöttin und ihre spätere christliche Überhöhung in der Gestalt der Gottesmutter Maria.

Besonders spannend ist die Verbindung, die die Ausstellung zu Darstellung des weiblich-göttlichen in der Kunst schafft. Sie spannt einen Bogen von antiken archäologischen Figurinen über mittelalterliche hebräische Bibelillustrationen, Madonnenbilder der Renaissance bis hin zu Interpretationen renommierter zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler.

Sehr  humorvoll etwa setzt sich die Künstlerin Nina Paley mit dem Thema auseinander. Sie schafft es, in einem animierten Video, die alten Göttinnen zum Singen zu bringen und den alten Moses dabei nicht besonders gut aussehen zu lassen:

 www.juedischesmuseum.de/besuchen/ausstellungen/detail/weibliche-seite-gottes/

Die Ausstellung ist bis zum 18. April zu sehen – derzeit nur digital.